zurück zur Tabelle

zum 2. Spieltag

1. Bundesliga Saison 2008 / 09

1. Spieltag am 27./28. September 2008 in Karlsruhe

Bericht (Lago Bowling)

Eine gesunde Aufregung hat mich begleitet, in den Wochen vor dem ersten Start in der 1. Bundesliga. Nach dem für mich überraschenden Durchmarsch in der 2. Bundesliga war ich mir sicher, da ganz oben, unter den Top Ten Deutschlands, da wird es um Einiges schwerer.
Unser junges Team aus dem Vorjahr blieb zusammen. Oliver Mielentz kam als externer Neuzugang aus Hildesheim dazu. Den Sommer haben alle Spieler genutzt um ihr spielerisches und taktisches Potential weiterzuentwickeln. Die Länder-Quali in Berlin war ein erster "Härtetest" für unsere Mannschaft. Sie lief erfolgreicher als im Vorjahr. Ich hatte schon den Eindruck, unsere Leistungsstärke ist weiter gewachsen.
Bereits vor dem ersten Spieltag bekommen wir zu spüren was es heißt, der höchsten Deutschen Spielklasse anzugehören. Wir dürfen nach Karlsruhe anreisen. Ein Ort im tiefsten Süden Deutschlands und weit weg von Berlin.

Ich habe dienstlich in der Nähe zu tun (Glatten) und bin als erster am Freitag im Hotel. Micha, Enrico und Oliver treffen gegen 19 Uhr ein - zu dieser Zeit überqueren die anderen Spieler gerade mal die Stadtgrenze Berlins. So gegen 1:30 Uhr in der Nacht beziehen Norman, Frank D., Frank F. und Carsten ihre Zimmer im Hotel Astoria, ca. 5 Km von der Bowlingbahn entfernt.
Auch wegen der unterschiedlichen Anreise läuft die Wettkampfvorbereitung am Samstagvormittag suboptimal. Das heißt, nicht alle Spieler können die volle Einspielzeit vor dem offiziellen Beginn nutzen. Das werden wir in Wildau besser machen. Wir entscheiden uns für die ersten beiden Spiele unseren "Neuling" Oliver und Linkshänder Frank F. auf der Reservebank zu platzieren.

Das Auftaktmatch gegen den Aufsteiger aus dem Süden - Neckarbowler Tübingen - bestreiten Carsten, Micha, Frank D., Enrico und Norman. Unser erstes Frame spielen wir fehlerfrei (1 x Strike). Tübingen patzt in einem Feld. So gehen wir leicht in Führung. Frame 2 beschert uns einen Washout und den Tübingern den Ausgleich. Im fünften Frame folgt unser zweites offenes Feld (Split 4-6-7). Das Strikeverhältnis steht 10:14 gegen uns. Wir liegen mit 30 Holz zurück. Frame 6 bis 8 bleibt fehlerfrei, Micha räumt Split 2-7. Trotz einem Strikeverhältnis von 19:23 verkürzen wir den Rückstand auf 20 Holz. Im 9. Frame sieht es so aus, als ob wir das Auftaktmatch verlieren werden. Bei Frank D. löst sich der Daumeneinsatz und der Ball landet nach Doppel-Strike in der Rinne. Im zweiten Wurf räumt Frank alle 10 Pins ab. Durch das Missgeschick im ersten Wurf erhöht sich der Rückstand auf 40 Holz. Dazu hat Tübingen einen 4:1 Strikevorteil. Eine denkbar schlechte Ausgangsposition für unser Team. Doch gleich im ersten Match spielen unsere Jungs ein tolles Finale! Carsten setzt Spare + Strike und verkürzt den Rückstand auf 30 Holz. Micha macht es ihm gleich (Spare + Strike) - der Rückstand verringert sich weiter. Frank D. spielt "mit Wut im Bauch" 3 x Strike. Tübingen kann nicht dagegenhalten und liegt nur noch 10 Holz in Führung. Enrico vergoldet unseren einzigen Strike aus dem 9. Frame und setzt XX9 drauf. Danach liegen wir 10 Pins in Führung. Norman lässt sich diese Chance nicht entgehen und macht den Sack mit XX9 zu, Wir gewinnen 1055:1036! Was für ein Auftakt.

Im zweiten Spiel ist es dann soweit. Wir dürfen gegen die Stars von Finale Kassel antreten. Mit Exweltmeister Mika Luoto aus Finnland und dem mehrfachen EBT-Sieger Paul Moor aus England hat Kassel internationale Spitzenspieler in seinen Reihen von denen jeder Bowlingverein nur träumen kann. Kassel wird durch die Deutschen Nationalspieler David Canady (WM-Teilnehmer 2008) und Robert Wölki (EM-Teilnehmer 2007) sowie dem erfahrenen Peter Knopp ergänzt. Da geht während des Matches schon der eine oder andere Blick unserer jungen Spieler respektvoll zum Gegner. Kassel spielt die ersten Frames fehlerfrei. Wir bekommen 2 Splits (S4-7-10 und S3-10) die ungelöst bleiben. Unser nächstes offenes Feld spielen wir im 5. Frame (3-6-10). Das ist dann unser erster leichter Fehler in der Bundesliga. Kassel leistet sich in Frame 4 und 5 jeweils einen leichten Fehler, verteidigt aber die 30-Pin-Führung aus dem ersten Frame, trotz Strikevorteil unsererseits (17:14). Die Volltreffer sind bei Kassel besser verteilt. Mika Luoto und Paul Moor sorgen für die entsprechenden Ketten. Bis zum Ende des achten Frames ändert sich der Spielstand kaum. Kassel lässt 2 x Split offen. Wir den 10er und S3-4-6-7. Unser Rückstand beträgt 20 Pins. Im Vorschluss-Frame gelingt uns mit 4:2 Strikes der Ausgleich. Carsten und Enrico haben Turkey aufgelegt. Frank D. hat ein Double-Strike zu liegen. Wir können dieses Spiel aus eigener Kraft gewinnen. Carsten spielt Spare + Strike, Micha Strike + Spare. Umgekehrt wäre mehr Zählbares herausgekommen. Frank D. verlängert das Double zum Turkey. Kassel bleibt uns ganz dicht auf die Fersen. Enrico braucht einen Strikeanwurf, dann können wir den Druck erhöhen. Es klappt nicht. Dem Spare folgt ein 7Pin-Split Nachwurf. Jetzt hat es Peter Knopp in der Hand mit einem Double im 10. Frame das Spiel für Kassel zu entscheiden. Er lässt sich diese Chance nicht entgehen. Norman spielt 3 x Strike – das kann uns nicht mehr zum Sieg verhelfen. Wir unterliegen denkbar knapp mit 1089:1092. Unser Team trägt diese erste Niederlage mit Fassung. Als Bundesliga-Neuling darf man gegen Kassel verlieren. Wie stark diese Mannschaft ist zeigt die Tabelle am Ende des Spieltags.

Ich bin mit den ersten beiden Matches sehr zufrieden. Wir haben Tübingen mit einem tollen Endspurt geschlagen und uns gegen Kassel teuer verkauft. Dabei habe ich insgesamt nur 2 leichte Fehler notiert. Eine Traumquote! Vor einem Jahr, bei unserem Start in der 2. BL, sah das noch ganz anders aus. Ich wusste, in der höchsten Spielklasse kann man ohne ein sehr gutes Sparespiel nicht "überleben". Die Bonuspunkte an den Spieltagen sind entscheidend für den Klassenerhalt. So gehen wir guter Dinge in die zweite Spielrunde des Samstags in Karlsruhe.

Ich gebe jetzt Oliver die erste Einsatzchance im Team. Mit einem sehr guten Einstand bei der Länderquali in Berlin sowie guten Würfen in der Einspielzeit hat er sich dies redlich verdient.

Jetzt wartet Delphin München auf uns. Ein Team, welches mit starken Austria-Spielern verstärkt ist. München bestimmt die Anfangsphase des Spiels. In den ersten drei Frames lassen wir 3 Felder offen (S4-6-7-9, 4-8, S4-6-7-9-10). München spielt fehlerfrei und hat einen Strike mehr erzielt (8:9). Unser Rückstand beträgt 30 Holz. In den beiden Folgeframes lässt unser Gegner 2 Felder offen. Wir bekommen Split 7-10 und spielen einen Strike weniger (zur Halbzeit 13:15 Strikes). Immer noch liegen wir leicht in Rückstand. Dann folgt unsere stärkste Spielphase. Bis vor das 10. Frame setzten wir München mit 13:7 Strikes und nur einem leichten Fehler (6-10) unter Druck. 4 x bleibt bei den „Südländlern“ ein einfaches Feld offen. Das bringt uns 70 Pins Vorsprung vor dem finalen Frame, zusätzlich liegen 4:2 Strikes für uns auf. Wir lassen nichts anbrennen und feiern mit 1088:1017 unseren zweiten Sieg.

Den Schwung des Münchener Spiels nehmen wir in das Match gegen den amtierenden Deutschen Meister 1. BC Duisburg mit. Die Westdeutschen empfangen uns mit einem perfekten Frame (5 x Strike). Doch Frank D. und Norman eröffnen jeweils mit 4fach Strike. Bis zur Halbzeit bleiben auf unserer Seite nur 2 Felder ungelöst (S4-7-10 und 1-2-4-10), dazu räumt Oliver Split4-9. So gelingt uns trotz Strike-Unterzahl (13:14) eine 60 Holz Führung! (Duisburg bis dahin mit 3 offenen Splits und einem leichten Fehler). In den Frames 6 und 7 sind die offenen Felder ausgeglichen (bei uns Split 3-10 und Split 4-6-10, Duisburg auch mit 2 Splits). Die 60 Holz Führung hält. Im achten Frame wird es brenzlig für uns. 1:3 Strikes und ungelöste 1-2-8-10 sowie 2-4-5 bringen den Gegner näher heran. Wir bleiben ruhig und legen für das 10. Frame 5 x Strike auf! Duisburg gelingt in dieser Phase nur ein Volltreffer. Mit bester Laune machen wir den 1048:965 Sieg perfekt.

Jetzt wollen wir mit einem möglichst hohen Spiel den Samstag beenden. Wir wechseln auf die Außenbahn 23/24, die sehr unterschiedliche Konditionen aufweist. Das erste Mal kommen wir so richtig in Schwierigkeiten, können uns nicht auf die Bedingungen einstellen. Bis zur Hälfte des Spiels haben wir 7 offene Splits sowie jeweils einen verfehlten 3er und 10er auf dem Konto. Blau-Weiß Stuttgart spielt auch nicht hochklassig, hat 4 Splits, 1 weiteres offenes Feld aber immerhin 12 Strikes auf der Habenseite. 70 Pins beträgt unser Rückstand. Natürlich ist an Aufgabe nicht zu denken und so kämpfen wir um jedes Feld und machen in den nächsten 4 Frames keinen Fehler mehr. Viele Spares aber weiterhin wenige Strikes sorgen nur für eine minimale Verkürzung des Rückstandes. 60 Pins Rückstand vor dem letzten Frame (Strikes 1:1) sind eine schlechte Ausgangsposition für einen möglichen 4. Sieg am ersten Bundesliga-Samstag. Carsten macht den 3fach-Strike und verkürzt auf 40 Pins. Dabei bleibt es aber bis zum letzten Wurf von Norman. So nehmen wir etwas Enttäuschung mit in den Abend, denn das letzte Spiel kostet schmerzlich viele Pins gegenüber den anderen Teams der Liga. Was uns Hoffnung verleiht ist die Tatsache, dass wir am Sonntag nicht mehr auf dieses Bahnenpaar wechseln müssen. Mal sehen, was die Gegnerschaft bei nachlassenden Bahnverhältnissen auf diesem "Acker" zustande bringt (tatsächlich wird unser Ergebnis am Sonntag noch unterboten).

Trotz des letzten Spiels kehrt beim abendlichen Zusammensein schnell die Freude über unseren ersten Samstag in der Top-Liga zurück. Wir wissen aus eigener Erfahrung das man eine gute Ausgangsposition vom Samstag am Folgetag schnell wieder verspielen kann. So erging es uns an den ersten beiden Spieltagen der 2. Bundesliga im Vorjahr. Doch diese Erfahrung sorgt auch dafür, dass wir mit der höchstmöglichen Konzentration den 2. Wettkampftag angehen. Die Gesamtanalyse des Samstags macht deutlich, dass die Linkshänder in den anderen Teams mehrheitlich dominieren. Insofern ziehe ich den Einsatz von Frank F. in den weiteren Spielen ernsthaft in Betracht. Aufgrund der sehr guten Teamleistung will Frank auf eine Einwechslung verzichten. Doch nach meiner Bewertung seiner Probewürfe muss ich ihn zum Einsatz bringen. Klar, Micha und Oliver sind im ersten Moment traurig jetzt "auf der Bank" zu sitzen. Doch unsere Variabilität ist unsere Stärke. Und diese Karte ziehe ich jetzt.

Das frühe Sonntagspiel bringt uns das erste Lokalderby gegen BSC Kraftwerk. In der Berliner Länderquali 2007 und 2008 konnten wir schöne Siege gegen Kraftwerk einfahren. Doch am heutigen Tag bleiben wir chancenlos. Kraftwerk spielt eine atemberaubende erste Hälfte mit 20 Strikes und ohne offenes Feld. Unsere Strikeausbeute ist auch nicht schlecht (15) doch dazu kommen 2 x Split (S4-10, S2-8-10) und verfehlte 4-7 und 10. Der Rückstand beträgt 120 Holz. Weitere 2 Splits im Frame 6 (S3-10, S3-6-7) lassen den Abstand noch größer werden (150 Pins). Auch wenn ein Sieg zu diesem Zeitpunkt aussichtslos erscheint, so gilt es wichtige Pins für die Bonuswertung zu sammeln. 9 x Strike im Frame 7 und 8 sorgen für eine Verkürzung des Abstandes auf 110 Pins. Nur kurz keimt die Hoffnung auf, dieses Spiel noch spannend zu gestalten. Kraftwerk spielt fehlerfrei zu Ende, hat insgesamt nur 2 offene Splits zu beklagen. Bei uns bleiben 2 weitere Felder ungelöst (Split4-6-7, 3-6-10) und besiegeln die deutliche 1028:1200 Niederlage. Wir sind mental darauf eingestellt, dass es in der ersten Bundesliga schnell "Watschen" geben kann wenn eines der gegnerischen Teams einen Lauf bekommt. Das wird uns nicht das letzte Mal passieren. Abhaken und weiterspielen!

Das siebte Spiel machen wir gegen Gießen. Wir kommen auf das Bahnenpaar, welches sich an diesem Wochenende als eine High-Score Piste herausstellt. Im ersten Frame gehen wir durch einen Fehler in Rückstand (Split 4-10). In den nächsten sechs Frames geling uns ein wahres Strikefeuerwerk. Mit 22:19 Strikes - ohne ein offenes Feld - arbeiten wir uns kontinuierlich eine 70 Pin Führung heraus. Im achten Frame kommt unser Spiel leicht ins Stocken. Nur ein Strike sowie ein verfehlter 4er lassen bei Gießen Hoffnung aufkeimen. Das 9. Frame bringt dann 4:5 Strikes und einen Restvorsprung von 50 Pins. Obwohl uns nur noch 2 Strikes im letzten Frame gelingen kann Gießen aus seinem perfekten Vorschlußframe kein Kapital schlagen. Wir siegen deutlich mit 1162:1075.

Im achten Match des Spieltages kommt es zum Nachbar-Duell gegen Premnitz. Trotz drei leichter Fehler der Brandenburger liegen wir bis zum sechsten Frame mit 40 Holz zurück. Insbesondere der frischgebackene, sympathische Vizeweltmeister Kai Günther glänzt mit einer beeindruckenden Strikekette. Insgesamt haben wir einen Strike mehr auf dem Zettel (15:14), doch 4 offene Splits (S4-6-7-10, S5-7, S4-6-10, S4-6) sowie 2-5 sorgen für den Rückstand. Mit 8:5 Strikes in den Frames 7 und 8 bei jeweils einem Split (bei uns S3-10) drehen wir das Spiel und gehen leicht in Führung. Doch die Freude währt nur kurz. Split4-6-7-10 und S4-9 machen uns im neunten Frame einen Strich durch die Rechnung (30 Pins Rückstand). Als dann Tobias Gäbler den 3 Strikes von Carsten Paroli bietet und Frank F. eine Vergrößerung des Rückstandes nicht verhindern kann zeichnet sich die Niederlage ab. Kai Günther vergrößert mit seiner 279 noch den Vorsprung, wir unterliegen mit 1011:1082.

So kommt es ganz am Ende des Spieltages zu einem Schlüsselspiel bzgl. der Bewertung eines erfolgreichen Abschneidens in Karlsruhe. Mit einem Sieg könnten wir auf 10 Matchpunkte verweisen - ein sehr hohes Ergebnis eröffnet die Chance auf 9 Bonuspunkte. Frank D. tat sich im Spiel gegen Premnitz schwer sich auf die nachlassenden Bahnenbedingungen einzustellen. Micha wird im letzten Spiel an Position 3 ins Team kommen und mit seiner Erfahrung versuchen, ein sicheres Ergebnis einzufahren.

Wir starten gut in die Begegnung. Bis zum siebten Frame bleibt nur 2 x unsere "Lieblingsstellung" Split3-10 ungelöst. Bei 18:14 Strikes und vier offenen Feldern bei den Mannheimern liegen wir 50 Pins in Führung. Gleichzeitig haben wir einen 4:1 Strikevorteil. Die Chance zur Vorentscheidung ist da. Doch daraus wird nichts. Nur 5 Strikes in den Frames 7 bis 9, dazu 3 offene Splits (S3-10, S4-6-10, S4-6-7-10) und ein leichter Fehler (7er) lassen Mannheim bis auf 20 Holz herankommen. So wird es ein spannendes und enges Finalframe. Sehr erfreulich ist, dass Micha mit einem fehlerfreien Spiel die Entscheidung zur Einwechslung im letzten Spiel bestätigt. So sind wir der glückliche Sieger im letzten Match des Tages (978:958).

Mit den 9 Bonuspunkten wird es nichts. Doch der 5. Sieg und die viertbeste Gesamtpinzahl sind ein Ergebnis mit dem wir sehr zufrieden sind. Wir wollten unbedingt vermeiden von Beginn an in der direkten Abstiegszone zu landen. Das ist uns gelungen. Und wir nehmen das Wissen mit, dass es noch weiteres Potential für Leistungssteigerungen gibt.

Coach
Thomas Radke

 

 

zurück zur Tabelle

zum 2. Spieltag