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Nur zwei
Wochen nach dem Auftakt in Karlsruhe treffen sich die Mannschaften der 1.
Bundesliga zum 2. Spieltag in Wildau. Uns bleibt eine
lange Anreise erspart, die Anlage auf dem Gelände des A10 Centers ist für die
Berliner in unserem Team in einer Stunde zu erreichen. Micha, Oliver und Enrico
haben es aus Bremen, Hildesheim und Magdeburg deutlich weiter. Auf der A2 gibt
es immer wieder schwere Unfälle die für Verzögerungen sorgen können, so auch am
heutigen Samstag.
Von 9:30 Uhr an nutzen wir für eine Stunde
die inoffizielle Einspielzeit. Gerade vor der Wildauer
Anlage haben wir einigen Respekt, denn im Vorjahr gaben wir dort unser Debüt in
der 2. Bundesliga (erster Spieltag). Die
Erinnerungen daran gehören zu den weniger erfolgreichen Momenten unseres
Kurzauftritts in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Norman, Enrico, Frank
D. und Carsten waren im Vorjahr dabei und verfügen so über Bundesliga-Erfahrungen
an diesem Ort.
Besonders
Frank D. und Norman hinterlassen in der Trainingsrunde einen sehr guten
Eindruck. Carsten tut sich schwer mit den vorhandenen Konditionen. So fällt die
erste Entscheidung bereits nach dem inoffiziellen Training. Carsten bleibt auf
der Reserverbank. Die halbstündige Einspielzeit
findet auf den Bahnen 25/26 statt. Vorher spielten wir auf der 21/22. Schnell
merken wir, dass es deutliche Unterschiede gibt. Doch das ist nichts
Ungewöhnliches. In dieser Liga muss die taktische Fähigkeit, sich auf ständig
wechselnde Bahnenbedingungen schnell einzustellen, sehr gut ausgeprägt sein. Wer
diese Qualitäten nicht besitzt ist in höchster Abstiegsgefahr. Frank D., Enrico
und Norman werden von mir für das erste Spiel gesetzt. Die linke Seite ist nach
den Eindrücken der Probe-Session in Wildau gut
bespielbar. Deshalb wird Frank F. von Beginn an auflaufen. Keinen dieser
Spieler möchte ich an die Position 1 setzen. So muss ich mich zwischen Micha
und Oliver entscheiden. Ich setze auf die Erfahrung von Micha. Oliver soll
behutsam in das Team wachsen. Es ist schön zu wissen, dass mit ihm ein sehr guter
Spieler als Alternative zur Verfügung steht. Das macht eine der Stärken unseres
Teams aus.
Im ersten
Spiel geht es gegen BC Gießen. Aufgrund der Vorjahre und unter Berücksichtigung
des ersten Spieltages wahrscheinlich eines der Teams, welches mit um den
Klassenerhalt kämpfen wird. Also ein 4-Punkte Spiel. Unser Start in den
Wettkampftag ist nicht optimal. Im ersten Frame gelingt uns kein Strike. Gleich 2 Felder bleiben offen (3-6, S2-4-10). Der Washout wird glücklicherweise geräumt (W1-3-6-7). Gießen bekommt
2 Splits, eröffnet mit 2 Strikes und macht einen leichten Fehler. Unser Gegner
bekommt auch im zweiten Frame die Bahn noch nicht in den Griff und holt sich
nochmals 2 Splits ab (alle nicht geräumt). Wir machen es besser, bleiben
fehlerfrei und spielen die ersten 3 Strikes. Das bringt eine 30 Holz
Auftaktführung. In den Frames 3 und 4 haben wir
leichte Nachteile. Bei den Strikes erspielt sich Gießen einen 6:5-Vorteil und
unseren 2 Spilts (S3-4-6-7, S3-10) steht auf der
anderen Seite eine „unlösbare“ Kombination gegenüber. Im fünften Frame wird die
Situation für uns bedrohlich. Wieder 2 Splits (S7-10, S2-10) und ein Strike-Nachteil von 1:3, dabei hat Gießen kein offenes
Feld. Mit insgesamt 6 Split/Washout und nur 9 Strikes
in der ersten Spielhälfte müssen wir zu diesem Zeitpunkt feststellen, dass wir
die Bahn noch nicht im Griff haben. Zum Glück hat Gießen ähnliche Probleme (5 x
Split, allerdings 13 Strikes). Der Spielstand ist ausgeglichen, da wir unsere
wenigen Strikes besser verteilt haben (2 x 3fach durch Frank F. und
Enrico). Da ein nicht sehr hohes
Endergebnis zu erwarten ist wollen wir dieses Spiel auf jeden Fall gewinnen. Wir
eröffnen die zweite Spielhälfte leider mit einem leichten Fehler (6-9). Jetzt ist Gefahr in Verzug. Doch das Team
zeigt, dass es sich innerhalb des letzten Jahres sehr gut weiterentwickelt hat.
Bis vor dem letzten Frame hält uns nur ein unlösbarer
Split 7-10 leicht auf. Alle anderen Felder werden gelöst. In den 4 Frames erspielen wir einen 10:9 Strike-Vorteil,
Gießen lässt in dieser Spielphase 4 Felder offen (davon 2 leichte
Pinstellungen). Unser Team geht mit 20 Holz Vorsprung
in das Finale, bei ausgeglichenen Strikes (3:3) im neunten Frame. Das finale Duell der Frontspieler entscheidet
Gießen für sich (3 x Strike). Das Spiel ist jetzt
völlig offen. Auf der zweiten Position spielen beide Mannschaften perfekt. Und der
Krimi geht weiter. Beide Spieler an Position 3 mit 2 x Strike
und folgender 6 Pin-Stellung. Als vorletzter Spieler krönt Enrico seine
hervorragende spielerische Vorstellung mit dem vor entscheidenden 3fach – Strike! Norman sichert mit Spare und Strike
den psychologisch wichtigen 1002:986 Auftaktsieg ab.
Gleich im
zweiten Spiel treffen wir auf den Lokalrivalen BSC Kraftwerk aus Berlin. Seit
der Auflösung der Bowlingabteilung des ASC Spandau
tritt erstmals wieder ein Berliner Verein an, dem Traditionsklub BSC
Kraftwerk die Vormachtstellung im Land Berlin streitig zu machen. Am ersten Spieltag
in Karlsruhe behauptete Kraftwerk - nicht zuletzt mit einem überzeugenden
1200:1028 Sieg im Lokalderby - die Spitzenposition. Wir wollen uns jetzt gerne
revanchieren...
Zu Beginn des Matches fallen wenige Strikes (3:3 in Frame 1 und 2). Wir lassen
Split 2-4-8-10
offen, Kraftwerk macht einen leichten Fehler, führt mit knappem Vorsprung. Dann
gibt Easy Gas. 9 Strikes in den Frames 3 und 4
bringen uns mit 40 Pins in Führung (Kraftwerk 3 x Split und 5 Strikes). Mit 7:7
Strikes in den beiden folgenden Frames und jeweils
einem offenen Split (bei uns S2-4-8-10) bauen wir
den Vorsprung auf 60 Pins aus. Unser Spiel läuft wie geschmiert und auch Frame
7 und 8 bringt uns einen weiteren leichten Vorteil (6:5 Strikes, 1:2 offene
Felder). Mit 80 Pins Abstand gehen wir in die Vorschlussrunde. Dort passiert
uns der erste leichte Fehler (7er, Kraftwerk bis dahin zwei). Unser Gegner
nutzt dies zur Verkürzung des Rückstandes. Micha und Frank F. sorgen im finalen
Frame dafür, dass nichts mehr anbrennen kann. Ein 2-9 Fehler wird von Enrico
mit 3fach Strike
kompensiert. Norman schließt mit Strike und
Brandenburger Tor ab (passt doch zum Spiel!). Die Revanche ist gelungen.
Nach diesem
erfolgreichen frühen Nachmittag freuen wir uns auf das Match gegen den
Lokalmatador TSV Chemie Premnitz. In den folgenden drei Spielen habe ich die
Gelegenheit meine Beobachtungen, Gedanken und Entscheidungen offen zu
kommunizieren. Mein Trainerkollege Jens Neuman von den Sudden Strikes hat sich
zur Hospitation angemeldet. Gerne lasse ich ihn „hinter die Kulissen“ schauen
(besser hören). Pünktlich zum Spielbeginn trifft Jens ein und es wird – auch
dadurch - ein angenehmer Nachmittag.
Bei Premnitz spielt Andy Gripp an erster Position,
der in Wildau ganz bestimmt jeden Zentimeter der
Anlage kennt. Mit dem Schwung aus dem Kraftwerk-Spiel gelingt uns nach drei Frames eine 50 Holz Führung. Premnitz hat mit den frischen
Bahnen Anfangsprobleme, 3 x Split, ein leichter Fehler und 7:7 Strikes. Bei uns
bleibt nur 3-6-9 offen. Ab dem Frame 4 macht Premnitz dann richtig Ernst. Mit
gewaltiger Strike-Streitmacht knappsen
die Brandenburger in jedem Frame ein Stück vom Rückstand ab. Bis zum 8.
Durchgang spielen sie jeweils 4 x Strike (5 x 4 =
20), wir wehren uns mit 16 Strikes nach besten Kräften. In dieser Phase bleiben
bei den Premnitzern 4 Felder offen (2 x Split, Washout,
1 leichter Fehler). Bei uns sind es 2 x Split (S4-6-10, S4-7-10). Wir haben es jetzt mit einem zur Hochform
auflaufenden, sehr erfahrenen Gegner zu tun. Wie bewältigen wir das Finale? Das 9.
Frame bleibt neutral. 3:3 Strikes, kein Fehler (Premnitz räumt einen Split) –
vor dem Finale liegen beide Teams gleichauf. Micha gelingt ein Strike nach seiner 4fach-Kette. Auch Andy Gripp spielt Strike-Spare – wir
liegen danach leicht in Führung. Unser zweites As kann Frank F. nicht
verwandeln (Spare-Strike). David Sandowski macht es
besser und hat den Rückstand fast egalisiert. Frank D. spielt an unserer
dritten Position Strike-Split 3-9-10, bringt dann noch 2
Pins sicher mit. Stefan Bock versilbert seinen Strike
mit Strike-Spare und Premnitz übernimmt jetzt die
Führung. Was für eine Spannung! Enrico contra Tobias Gäbler
lautet das Duell an Position 4. Unser Team-Kapitän behält die Nerven und spielt
Strike-Spare nach Strike im
Neunten! Tobias gelingt Spare-Strike – jetzt führen
wir mit 2 Pins Vorsprung. Als Schluss-Spieler bei Premnitz steht kein geringere
als unser Vizeweltmeister von 2008 – Kai Günther – am Anlauf. Norman spielt
zuerst – will Kai mit Strike unter Druck setzen. Und
er landet den gewünschten Volltreffer! Kai spielt hinterher – einen nicht
minder brillianten Strike.
Behält Norman ein weiteres Mal die Nerven? Ja, er muss Nerven wie Drahtseile
haben. Kaltschnäuzig verwandelt er auch den zweiten Anwurf mit sicherem
Balleinlauf in die Gasse. Wie fast zu erwarten spielt Kai auch im zweiten Wurf
einen perfekten Strike. 2 Pins liegen wir noch immer in Führung.
Jetzt brauchen wir noch eine Neun zum Sieg. Und was macht Norman? Er spielt einen
Sicherheitsanwurf - direkt auf den Einser-Pin. Und diese Taktik geht auf - alle 10 Pins
fliegen vom Deck. Stefan Bock kommentiert fast ungläubig: Das hätte ich mich
bei diesem Spielstand nicht getraut... Ein umjubelter 1108
: 1105 Sieg geht unter dem Beifall der Zuschauer zu Ende. Nach dem
Spieltag wird deutlich – dieses Match ist unser Höhepunkt an diesem Wochenende
und bringt uns ob des Spielverlaufs und unseres Auftretens viel Lob und
Sympathie von der Konkurrenz ein – allen voran vom Bundestrainer Peter Lorenz
und den Spielern des TSV Chemie Premnitz.
Das vierte Spiel des Wochenendes machen wir gegen den Mitaufsteiger Neckarbowler aus Tübingen. Mit dieser Begegnung begann
unser Unternehmen 1. Bundesliga in Karlsruhe und wir konnten das erste
Aufeinandertreffen im 10. Frame mit einem furiosen Endspurt noch für uns
entscheiden. In der zweiten Partie gegen die Schwaben übernehmen wir von Beginn
an die Führung. Nach 4 Frames beträgt unser Vorsprung
60 Pins (12:9 Strikes, 1:2 offene Splits). Im weiteren Spielverlauf leisten wir
uns jeweils einen offenen 3er und 10er, was aber keine Auswirkung auf unseren
Vorsprung hat. Ein leichtes Strike-Übergewicht und
eine ausgeglichene Fehlerquote sichern uns vor dem letzten Frame einen 70 Pin
Vorsprung. Dort lassen wir nichts mehr Anbrennen. Besonders Frank D. glänzt,
der insgesamt 11 x Strike spielt (267), nur im 5.
Frame bleibt der 3er wie verwurzelt auf dem Pindeck zurück. Unser 1089:978 Sieg
gerät nie ernsthaft in Gefahr.
Vier Spiele, vier Siege – so langsam wird mir unsere Erfolgssträhne unheimlich.
Mit brutalem Abstiegskampf habe ich gerechnet, doch im Moment steht der Name
unseres Teams sehr weit oben in der Tabelle. Mal sehen was die nächsten Matches
und Spieltage noch für Überraschungen parat haben. Zum Abschluss des Tages
spielen wir gegen einen der Top-Favoriten. Finale Kassel hat diesmal die
europäischen Spitzenspieler Paul Moor (England) und Lasse Lintillä
(Finnland) am Start. Das fünfte Spiel am Samstag stellt immer eine besondere
Herausforderung dar. Diese Erfahrung haben wir schon in der 2. Bundesliga
gemacht. In Karlsruhe haben wir dieses Spiel nicht gewinnen können (gegen
Stuttgart). Das Match beginnt gleich mit einem Schmunzeln. Paul Moor stellt
sich im ersten Wurf Split7-9 hin. Micha ist so begeistert von seinem direkten
Gegenspieler, dass er einen Wurf mit dem gleichen Ergebnis aufs Deck zaubert
(Split 7-9). Kurios auch deshalb, weil Paul Moor Links- und Micha Rechtshänder
ist... Vier Frames „plätschert“ das Spiel mit wenigen
Strikes vor sich hin. 7:12
liegen wir in dieser Rubrik zurück. Dank 3fach von Frank D. haben wir noch
Tuchfühlung (30 Holz Rückstand). Eine weitere kuriose Pinstellung sorgt auf
Kosten der Kasseler für grinsende Gesichter. Robert Wölki
zirkelt beim Anwurf den 4er Pin aus der Angriffslinie. Drei Pins nach
2fach-Strike kosten einige Zähler. Im zweiten Wurf macht er es besser
(Spare). Wir kämpfen um den Anschluss.
Doch der „letzte Mann“ bei Kassel macht großen Druck. Peter Knopp strikt vom
ersten Frame an und es will kein Ende nehmen... (am Ende 268). Wir steigern
unsere Strikequote in der zweiten Spielhälfte (Norman
4fach, Enrico, Frank D. , Micha jeweils 3fach). Doch
im gleichen Takt hält Kassel dagegen. Wir kommen einfach nicht heran. Im
letzten Frame sorgen Lasse Lintillä und Robert Wölki
(Position 2 und 3) mit ihren 3fachen für die Vorentscheidung. Das letzte Samstagspiel
bleibt unser „Problemkind“.
Trotz dieser Niederlage ziehen wir eine überaus positive Bilanz des ersten
Tages in Wildau. Gerade weil wir das A 10 Center aus
dem Vorjahr in nicht so erfolgreicher Erinnerung haben sind wir überglücklich
schon jetzt die angepeilte Mindestpunktzahl so gut wie eingefahren zu haben (10
Punkte). Gutgelaunt lassen wir den Abend ausklingen und freuen uns auf den
Sonntag.
Noch vor
dem Wettkampf treffen wir uns zum Frühstück in der Nähe der Bowlinganlage. 2
Siege am Sonntag und wir werden den Spieltag als perfekte Leistung einordnen.
Gleich ein Auftaktsieg gegen den ABC Mannheim käme dieser Zielstellung sehr
entgegen. In den ersten vier Frames gelingen uns 11:8
Strikes. Unseren zwei vermeidbaren Fehlern (7er, 4er) stehen 3 einfache
„Offene“ auf Mannheimer Seite gegenüber. Das macht unter dem Strich eine 30 Pin
Führung für uns aus. Frame 5 eröffnen wir mit Split 4-6-7 und Split 4-6-10. Nachdem
Mannheim im gleichen Frame noch 4 x Split spielt (1 x geräumt) ist klar, dass
sich zu dieser Zeit die Bahnverhältnisse verändert haben. Norman passt an und
die anderen Spieler folgen ihm. Mannheim reagiert auch, doch später als unser
Team. Das wirkt sich spielentscheidend aus. Frame 6
bis 9 bringen uns 13:12
Strikes, keinen Fehler (Split 5-7 geräumt, Mannheim mit offenem Washout) und eine 80 Pin Führung vor dem letzten Frame. Im
Finale spielen wir eher mäßig (nur 3 x Strike, 7er
verfehlt) doch der Vorsprung reicht bis zur Ziellinie (1035:1007).
Spiel 2 am Sonntag führt uns gegen Blau-Weiß
Stuttgart. Der Beginn ist ausgeglichen (je 2 x Split, 4:5 Strikes). Es folgen
von unserer Seite 2 fehlerfreie Durchgänge in denen Fortuna nicht mitspielt.
4:8 Strikes lassen uns mit 50 Holz in Rückstand geraten. Wieder einmal holt ein
gegnerischer Spieler zur langen Strikekette aus.
Andreas Humm beweist nicht nur in diesem Spiel seine
besonderen Qualitäten. Er wird den Spieltag als bester Spieler abschließen. Wir
stemmen uns mit spielerischen Mitteln und Kampfkraft gegen die drohende
Niederlage. 7:5 Strikes in Frame 5 und 6, dazu 3 offene Felder auf Stuttgarter
Seite lassen uns aufholen. In Frame 7 und 8 sind die ungelösten Splits
ausgeglichen (je 2). Beide Teams platzieren ihre Strikes wirkungsvoll in Reihe
(6:5). Bei uns sind es Frank F. und Enrico die eine perfekte Strikelinie spielen. Mit dem neunten Frame gelingt uns der
ersehnte Ausgleich. Beide Mannschaften haben 2 Strikes für das Finale
aufgelegt. Es entwickelt sich ein packendes Finish mit dem zweiten Höhepunkt
des Wochenendes (nach dem Premnitz-Spiel). Micha eröffnet unglücklich mit Split
(S3-6-7). Stuttgart doppelt seinen ersten Strike aus
Frame 9 und geht mit 20 Pins in Führung. Frank F. ergänzt seine Kette ebenfalls
um einen Strike. Das reicht nicht um Boden gut zu
machen. Stuttgart lässt seinen zweiten Volltreffer aus dem vorletzten Durchgang
mit 3fach-Strike im Zehnten so richtig glänzen. Nachdem der dritte Spieler des
Gegners auch 3 x Strike spielt und bei Frank D. der
3er nach dem zweiten Anwurf stehen bleibt, da liegen wir vor den abschließenden
beiden Spielern mit 40 Pins zurück. Enrico versucht uns ins Spiel
zurückzubringen und beendet mit einem 8fachen. Norman packt noch drei Strikes
drauf – jetzt darf sich Andreas Humm keinen Fehler
erlauben um den Sieg für Stuttgart einzufahren. Wir können nur abwarten und
müssen die Abgeklärtheit des Stuttgarter Schluss-Spielers anerkennen. Dem Spare
in Wurf 1 folgt ein abschließender Strike zum 1076 : 1070 Sieg für die Baden-Württemberger. Wir
unterliegen mit dem zweithöchsten Spiel dieses Durchganges. Wir haben uns teuer
verkauft und können mit der gezeigten Leistung sehr zufrieden sein.
Das nächste
Spiel gegen Delphin München ist lange Zeit sehr ausgeglichen. Zur Halbzeit sind
wir hauchdünn in Führung. 13:13
Strikes, allerdings 4:1 offene Felder (davon 2 x Split), die Frank D. mit einem
Fünffachen ausgleicht. In den Frames 6 bis 8 bleiben
wir fehlerfrei, das Strikeverhältnis weist einen
leichten Nachteil für uns aus (8:9). Da aber München 2 x Split offen lässt,
müssten wir eigentlich immer noch führen. Nein, wir liegen 20 Pins zurück.
München spielt mehr Strikes in Reihe (Leo Grundschober, Uwe Tscharke)
und bringt uns damit in Bedrängnis. Im neunten Frame spielen wir einen der
wenigen Durchgänge ohne Strike, dazu Split 7-9 und
Split 3-10 (für uns z.Zt. unräumbar
– ist inzwischen fast unser Markenzeichen). Auch im letzten Frame können wir
nicht mehr zurückschlagen, die Niederlage ist jetzt unvermeidlich (1006:1065).
Ein Gegner
steht noch aus. Wir wollen gerne das Ziel von 2 Siegen am Sonntag in die Tat umsetzen.
Doch jetzt wartet kein geringerer als der Titelverteidiger 1. BC Duisburg auf
uns, und zwar in Bestbesetzung der Meistermannschaft aus dem Vorjahr. Achim
Grabowski, Thomas Gross, Michael Holzapfel ... da
Bedarf es keines Kommentars. Zu Beginn nimmt das Spiel seinen fast erwarteten
Verlauf. Duisburg geht in Führung. Es ist das vierte Spiel – die
Bahnenverhältnisse sind schwierig. 4:6 Strikes und 1:0 offene Felder (Split
7-9) bringen uns in Bedrängnis. Im dritten Frame können wir dann überraschend
die Führung übernehmen. Der Gegner lässt 2 x Split offen und wir bleiben clean
(1:1 Strikes). Duisburg setzt uns dann wieder unter Druck. 5:6 Strikes, 2:0
offene Felder in den Frames 4 und 5 (Split 6-7, 7er)
– beide Teams sind gleichauf. Ich erwarte jetzt den Frontalangriff
des Gegners. Frame 6 bringt dann eine kleine Vorentscheidung. Doch nicht
für Duisburg, sondern wir üben Druck aus. Mit 5 x Strike
(1 x Duisburg) verschaffen wir uns eine sehr gute Ausgangsposition für den
weiteren Spielverlauf. 2 x können wir verdoppeln, unserem Split6-7 steht auch
ein offenes Feld von Duisburg gegenüber. Unser Vorsprung beträgt in dieser
Phase 60 Pins. Die Frames 8 und 9 gehen mit 6:5
Strikes und 1:2 ungelösten Feldern an Duisburg (wir lassen Splits 3-10 und 6-7
offen). Bleiben noch 40 Pins Vorsprung und 3:2 Strikes aus dem vorletzten Frame
... Chance ... Micha, der in diesem Spiel zur Höchstform aufläuft, beendet das
Spiel mit Strike – Spare und 257 Pins. So kontert er
die XX9 von Achim Grabowski. Frank F. kann das 10. Feld nicht lösen aber
auch hier spielt Duisburg mit (5er Split). So bleibt es Frank D. vorbehalten
den Sack zuzumachen. XX9 nach Double machen hervorragende 246 Pins und bringen
uns den ersehnten zweiten Sieg über den Titelverteidiger!
Dieser
Abschluss passt zu dem Spieltag und lässt uns sehr glücklich dreinschauen. Beim
Blick auf die Tabelle trauen wir dann unseren Augen nicht. Als Tagessieger
haben wir – auch dank schwächerer Leistungen von Kassel - die Tabellenführung
übernommen. Peter Lorenz raunt uns zum Abschied noch zu: „Habt ihr gut
platziert – jetzt seid ihr für 6 Wochen der Tabellenführer...“, denn der
nächste Spieltag ist erst Ende November in Hildesheim.
Auch wenn das natürlich nur ein Zwischenstand ist und wir unsere Position in
dieser Elite-Liga realistisch einschätzen können – es ist auch ein Zeitpunkt
stolz sein zu dürfen. Stolz auf die jahrelange, kontinuierliche
Leistungsentwicklung unserer noch jungen Spieler. Stolz auf das Umfeld,
welches diesen anstrengenden und anspruchsvollen Weg begleitet und immer an die
Erreichung der hohen Ziele geglaubt hat. Es ist ja nicht nur unser Team 1,
sondern auch Team 2, 3 und 4 sowie die Jugendmannschaften, die seit vielen Jahren
eine tolle sportliche Entwicklung nehmen. Es ist nicht leicht im Bowlingsport
für den Leistungssport zu sensibilisieren. Den erfolgreichen Leistungssport
begleitet auch immer eine harte und schmerzhafte Auslese im Prozess der
Leistungsentwicklung. Aber es ist wie mit den Auswechselspielern im Team: Die
Spieler, die sich am Ende durchsetzen sorgen mit ihren sehr guten Leistungen
für die Unterstreichung/Aufwertung der Leistungen derjenigen, für die es nicht
bis ganz nach vorn gereicht hat.
Wann haben
wir damals den Turbo eingeschaltet? Beschlossen wurde es bei einer
emotionsgeladenen Mitgliederversammlung unseres Vereins am 4. Juli 2002 in
Berlin-Hellersdorf. Dort haben wir das Ziel formuliert innerhalb der nächsten
drei Jahre in die 2. Bundesliga aufzusteigen und langfristig der sportlich
beste Bowlingverein Berlins zu werden. Den ersten Teil des Ziels haben wir mit
etwas Verspätung erreicht (2007). Es bedurfte dreier Anläufe seit 2005 den
Sprung auf die nationale Ebene zu schaffen (2005 – Berliner Meister,
Aufstiegsrunde Platz 3 / 2006 - „nur“ Berliner Vizemeister / 2007 – Berliner
Meister und Sieg in der Aufstiegsrunde zur 2. BL). Ob wir auch den zweiten Teil
der Zielstellung bereits erreicht haben, das überlasse ich der externen
Einschätzung unserer Berliner Bowlingszene.
Auf jeden
Fall möchte ich mich bei allen recht herzlich bedanken, die mir in den letzten
Wochen zu den Leistungen unseres Bundesligateams und der weiteren Mannschaften
unseres Vereins gratuliert haben. Wir werden uns unermüdlich und nachhaltig „ins
Zeug legen“ die Berliner Fahnen erfolgreich zu vertreten.
Coach Thomas Radke
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