|
Nach sechs angenehmen
Wochen auf dem Platz an der Sonne (Tabellenführer der 1. Bundesliga) wird uns
der 3. Spieltag in Hildesheim zeigen ob unser „Höhenflug“ von Nachhaltigkeit
geprägt ist. In Karlsruhe und Wildau durften wir
für uns Überraschungsmomente in Anspruch nehmen, da unser Team nach den
ersten 11 Spieltagen in der 2. bzw. 1. Bundesliga noch nicht sehr bekannt und
damit schwer auszurechnen ist. In der Tabelle trennen Platz 1 (Easy Bowling)
und Platzt 6 (BSC Kraftwerk) lediglich sechs Punkte. Das ist in dieser Liga
ein Wimpernschlag. Erst zum siebten Platz ist das Polster deutlicher (16
Punkte Abstand zum BC Gießen). Wir wollen den gewonnenen Boden mit maximalem
Einsatz verteidigen.
Wir treten in Bestbesetzung an. Bis 2 Uhr morgens sind alle Spieler im Hotel
eingetroffen. Pünktlich zum Practice sind wir um
9.00 Uhr auf der CCR Bowling. Wir können während der Trainingssession alle
Wettkampf-Bahnen nach Belieben testen. Vor der offiziellen Einspielzeit rückt
Carsten auf die Reservebank. Er wird an diesem Spieltag voraussichtlich nicht
zum Einsatz kommen. Oliver Mielentz erhält das
erste Mal die Chance alle Spiele zu bestreiten. Frank Drevenstedt,
Teamkapitän Enrico Strauß und Norman Schau sind aufgrund ihrer Leistungen
gesetzt. Beim Einspielen entscheide ich mich für unseren Linkshänder Frank Fiebich als fünften Mann im Startteam. Michael Kocziok rückt dadurch auf die Bank (obwohl er sich sehr
gut präsentiert – eine starke Bank ist nicht das Schlechteste Omen für unser
Team...).
Wie in Wildau beginnen wir gegen den BC Gießen. Ich
überlege noch, Oliver an die zweite Position zu setzen. Doch er strahlt
Selbstbewusstsein aus und will gerne die wichtige Position 1 im Team
besetzten. Die Auftaktphase des Matches bestimmt Gießen. 10 Strikes und kein
offenes Feld der Hessen – dadurch geraten wir 40 Pins in Rückstand (7
Strikes, offene 10 und S9-10). Enrico gibt als vierter Spieler im 3. Frame
das Startsignal zum Angriff. Auf seinen geräumten Split3-6-7-10 folgen acht
Strikes der Teamkollegen. Frank D. beendet diesen Beschleunigungsvorgang mit
getrennter 3-6. Doch dieser Bremser ist von kurzer Dauer, es folgen weitere 9
Strikes und 3 Spares. Gießen lässt in dieser Phase
4 Felder offen und kann unserem Strike-Gewitter
wenig entgegensetzen. Unsere beiden Splits im achten Frame fallen kaum ins
Gewicht. In den Schluss-Frames bleiben wir
fehlerfrei und schalten erneut den Turbo ein (15 Strikes), erreichen fast die
1200er Marke. Frank F. bestätigt meine Aufstellung mit einem 275er Spiel. Ein
nahezu perfekter Auftakt stärkt unser Selbstvertrauen.
Spiel 2 geht gegen München, die im ersten Spiel 1159 geworfen haben. Nach
vier Frames liegen wir um 2 leichte Sparefehler zurück (2-8, 7). München spielt fehlerfrei
und beide Teams haben 4 Strikes aufgelegt. Obwohl Oliver bis zum 7. Frame
alle Anwürfe perfekt verwandelt, München zieht mit 12:8 Strikes in dieser
Phase auf und davon. Die Bayern sind noch immer fehlerfrei, bei uns bleiben
drei weitere Felder offen (2-4-7-8, W1-3-4-6-7, 10). Zu diesem Zeitpunkt
kehrt Ernüchterung bei uns ein, dass lähmt den Spielfluss. Frame 8 und 9
benötigen wir zur „mentalen Findung“ – München ist jetzt 150 Pins
entlaufen...
Unter Führung von Oliver (279) spielen wir ein ordentliches Schlussframe (11
Strikes). München ist diesmal nicht zu schlagen.
Mit dem Schwung aus der Endphase des Münchner Spiels und höchster Motivation
gegen den kommenden Gegner den Bock endlich umzustoßen (bisher 2 Niederlagen)
gehen wir in das Match gegen Blau-Weiß Stuttgart. Irgendwie „knistert“ es in diesen
Spielen immer besonders, Andreas Humm sorgt mit
seiner Ausstrahlung für Pepper und Fun. Nach 2 Frames gelingt uns
eine hauchdünne Führung. Ein Strike mehr (6:5) und
3 schwierige, für uns ungelöste Spares (S4-6-7-10,
W1-2-4-10, W1-3-7-9) - Stuttgart lässt 2 Splitstellungen stehen. Im weiteren
Spielverlauf wogt das Match hin und her. Wenige Strikes (Frame 3 bis 8 =
12:11), offene Felder (bei uns 1-2-4-7, 3-6-10, S4-6-7-10, 4-7, S2-10) aber
auch gut gelöste Pinstellungen (W1-10, S3-9-10) – vor dem neunten Frame hat
keine Mannschaft einen Vorsprung. Mit 4 Strikes können wir uns vor dem
finalen Frame um eine Nasenspitze in Führung bringen. Doch auch Stuttgart
legt 4 x Strike auf. Das Duell der Frontspieler
verändert den Spielstand nicht. Wir führen mit 6 Pins. Frank F. wirft dann
Split2-7 an. Markus Häuser spielt XX9. Sehr schön, dass Frank den Split räumt
und den entstandenen Rückstand auf 16 Pins begrenzen kann. Unser dritter Mann
Frank D. dreht den Spieß wieder um. Seinen Strikes im achten und neunten Frame
lässt er jetzt zwei weitere Volltreffer folgen! Markus Bettinger
spielt Spare-Strike. Jetzt führen wir mit 3 Pins,
oh man ist das spannend. Enrico und Dirk Völkel spielen jeweils Strike-Spare. Die Entscheidung fällt mit dem letzten
Spieler. Und an dieser Position verfügen wir über einen Mann mit besonderen
Qualitäten. Was Norman in dieser Saison schon gezeigt hat macht ihn an dieser
Position unersetzbar. Er liebt dieses Spiel auf des Messers Schneide. Für
mich einer der besten Schluss-Spieler die ich mir vorstellen kann... Andreas Humm gelingt kein Strike.
Norman macht es besser und die Körpersprache nach diesem Ko-Schlag
ist unbeschreiblich. Auch mich überwältigt ein Gefühl unbändiger Freude.
Bowling Live.
Gegner Nr. 4 ist Premnitz. Wir nehmen einen Wechsel vor. Micha kommt jetzt
für Frank F., der sich selbst nicht sicher genug fühlt. Die ersten drei Frames sind total ausgeglichen (7:6 Strikes). Dann werfen
wir ein perfektes Frame und gehen mit 20 Pins in Führung. Wir machen leider
nichts daraus. Es folgt nur ein Strike und 2 offene
Felder (S6-7-10, 7). Unser Spiel ist zu ungeduldig. Dadurch machen wir
weitere Fehler. Frame 6 geht mit 4:0 Strikes an Premnitz (wir lassen dazu
noch S3-4-10 und S3-4-6-7-10 offen). Der Rückstand beträgt 60 Pins. Wir
können mit dem zweiten „Fünffachen“ (7. Frame) die Chance zur Kehrtwende
eröffnen. Premnitz spielt in dieser Phase fehlerfrei. Wir brauchen ein tolles
neuntes Frame – doch es gelingt nicht. 2 Felder bleiben offen (3-6-10,
2-4-5-8), der Rückstand wird größer. Wir müssen uns mit der zweiten
Niederlage abfinden.
Den Tag schließen wir mit dem Match gegen den Deutschen Meister 1. BC
Duisburg ab. 2 Spiele – 2 Siege, noch haben wir gegen die Rheinländer eine
makellose Bilanz. Duisburg geht hochkonzentriert in die Partie. Drei
fehlerlose Frames des Gegners und 7:8 Strikes sowie
ungelösten 10, S3-10 Pinstellungen – Duisburg führt mit 50 Pins. Achim
Grabowski und Co. gehen das Spiel weiter rechts als unsere Spieler an. Das
funktioniert in der ersten Spielphase gut. Wir stehen deutlich tiefer und
entscheiden uns für einen weiteren Schritt nach links. Mit Erfolg! Wir
erspielen uns in den Folgeframes einen Strikevorteil (11:8) und übernehmen die Führung. Im 6.
Frame kommt der Duisburger Konter (5 x Strike). Wir verfehlen in dieser Phase einen 7er – das
tut weh. Das Spiel ist wieder ausgeglichen. Im Frame 7 bis 9 entscheiden die
individuellen Fehler (7:7 Strikes). Wir machen in dieser Phase keinen! Vor
dem letzten Frame des Tages haben wir uns eine 20 Pin Führung erarbeitet. Daran
ändert sich nach den ersten beiden Spielern nichts. Frank D. kann den Turkey von Michael Krämer kontern und die Führung
verteidigen. Michael Holzapfel wirft Split an und räumt. Doch Enrico sorgt
für die Vorentscheidung. Er macht es Frank nach und schließt mit Turkey ab. Norman kann entspannt zu Ende spielen (XX9).
Thomas Groß strikt erwartungsgemäß aus, kann damit für Duisburg aber keine
Wende mehr bringen. Ein tolles Spiel mit einem psychologisch wichtigen Sieg.
Wir können gelassen in die Sonntagsspiele gehen.
Wir entscheiden uns beim Abendmahl heute für „Chinesisch“, zum Leidwesen von
Frank D., der diese kulinarische Vorliebe nicht teilt. Trotzdem haben wir
riesigen Spaß! Ich verzichte auf eine tiefgreifende Analyse des Samstags. Wir
müssen uns keinen Druck auflegen, können locker weiter spielen und über
Leidenschaft und Kampfgeist das Erreichte festigen.
Am Sonntagmorgen präsentieren sich die Bahnen erfahrungsgemäß anders als am
Samstagnachmittag. So auch in Hildesheim. Die Probewürfe täuschen über den Schwierigkeitsgrad
etwas hinweg. Da es links sehr gut aussieht spielen wir wieder mit Frank F.
Keinem Team gelingt es in den ersten Frames Strikeketten aufzubauen. Das Spiel entwickelt sich zäh.
Nach vier Frames liegen wir leicht in Front (8:9
Strikes, 2:3 offene Felder). Mannheim erhöht ab Frame 5 den Druck, übernimmt
die Führung und verteidigt sie bis zum 9. Frame. Oliver eröffnet mit
Split3-10 und räumt! Für einen Easy etwas Besonderes ;-) Enrico bekommt die
gleiche Chance, muss aber daran noch weiter üben. Mannheim lässt zwei Felder
offen und wir spielen einen Strike mehr (2:1).
Wieder gehen wir in eine Entscheidung mit Fotofinish. Nach Olivers Strike-Spare führt unser Team mit 2 Pins. Das Duell links
(Tony Smith) gegen links (Frank F.) gewinnt unser Lefty.
Franki sorgt mit XX7 für eine 20 Pin Führung. Frank D. verteidigt diesen
Vorsprung. Enrico kann noch 3 Pins draufpacken. Das lässt sich Norman nicht
mehr nehmen. Harald Punessen spielt XX9 und Norman
gelingt dies auch.
Der Mitaufsteiger Tübingen startet im zweiten Sonntagsspiel perfekt (5 x Strike). Damit ist aber das Pulver verschossen, denn im
zweiten Frame kommt kein Volltreffer mehr dazu. So können wir bis zur Hälfte
des Matches trotz einiger Splits mit 70 Pins in Führung gehen. Im sechsten
Frame eröffnen wir mit 3 offenen Feldern (1-2-5-9, S3-7, S7-10). Das nutzt
Tübingen zur Verkürzung des Abstandes. In das finale Frame gehen wir dann
aber mit 4:0 Strikes und 60 Pins Vorsprung. Oliver und Frank F. machen mit
jeweils XXX alles klar...
Das Berliner Ortsderby gegen Kraftwerk findet
diesmal als Spiel Nr. 8 statt. Die Kraftwerker waren am ersten Spieltag mit 7
Siegen gestartet und hatten uns dabei mit einem 1200er Spiel keine Siegchance
gelassen. Am zweiten Spieltag in Wildau blieben die
Neuköllner als einziges Team der Bundesliga unter einem Schnitt von 200 Pins
und erzielten 4 Siege. Wir konnten uns für die Niederlage am ersten Spieltag
revanchieren. In Hildesheim läuft es bisher nicht so gut für unseren Berliner
Kontrahenten. Der Start des Spiels ist ausgeglichen. 7:7 Strikes und jeweils
ein Fehler (bei uns S3-6-7-9). Dank makelloser Treffer von Sascha Hauchwitz
und Thomas Gojowy geraten wir bis zum 5. Frame mit
30 Pins in Rückstand. Mit großem Kampfgeist gelingt uns vor dem siebten Frame
der Ausgleich. Dann folgen Spare -> 4 x Strike
–> Spare S3-10 –> 4 x Strike. Ein Feuerwerk
an Selbstbewusstsein und Emotionen bringt uns 90 Pins in Führung. Kraftwerk
scheint so gut wie geschlagen. Unser neuntes Frame beginnt Oliver mit Strike. Frank F. setzt einen Spare dazu. Doch dann werden
die drei aufgelegten Doubles alle vernichtet (S4-9, S3-4-6-7-9-10, S6-10).
Vor dem letzten Frame schrumpft der Vorsprung auf 30 Holz und 1:3 Strikes.
Robert Vetter weist uns vorsorglich darauf hin, dass die Spiele erst mit dem letzten
Wurf beendet und entschieden sind... Klar, wir sind ja neu in der 1.
Bundesliga und können das nicht wissen ;-) Oliver macht aus unserem einzigen Strike ein Double, Philip Meinke spielt Spare-9. Wir
bauen den Vorsprung leicht aus. Frank F. stellt sich S6-7 was Sascha
Hauchwitz eiskalt mit Turkey zum Anschluss nutzt.
Frank D. verbessert unsere Chancen mit XX8, es bleibt extrem spannend. Enrico
spielt Strike-Spare. Sein direkter Gegenspieler
ebenfalls, damit führen wir vor den letzten Spielern mit 11 Pins. Norman
gelingt diesmal kein Abräumer mit dem ersten Wurf –
das ist die Chance für Robert Vetter das Spiel zugunsten Kraftwerks zu
entscheiden. Nein, der Strike misslingt. Wir
bleiben in Führung und Norman sichert mit Strike
den Sieg.
Durch das Nachlassen in der Endphase des 8. Matches haben wir die Chance
verpasst uns in der temporären Bonuswertung in die Spitzengruppe zu schieben.
Wir liegen auf Platz 6 mit sehr deutlichem Vorsprung gegenüber den
Schlechterplatzierten. Da kann kaum noch etwas anbrennen. 18 Punkte sind
praktisch gesichert, womit wir sehr zufrieden sind. Ein Sieg gegen Kassel
wäre die Krönung einer überaus erfolgreichen Hinrunde in unserem ersten Jahr
in der Königsklasse. Dieses Team haben wir bisher noch nicht bezwingen
können. Und da war sie dann wieder am Anfang des Spiels: die Ungeduld. Nach
vier Frames liegen wir 90 Pins zurück, da bei einem
Strike-Verhältnis von 9:15, einer Reihe von Splits
(S2-10, S4-9, S4-6-7-9-10, S3-6-7-10, S3-9-10) auch noch leichte Sparefehler dazu kommen (7, 10). Erst als das Spiel fast
gelaufen ist kehrt die Ruhe und Gelassenheit zurück. Frame 5 bis 7 gibt noch
einmal Anlass zur Hoffnung (9:7 Strikes, jeweils ein offenes Feld, Verkürzung
des Rückstandes auf 60 Pins). Doch dann ist unser Pulver verschossen. Robert Wölki „schießt“ uns fast im Alleingang ab (266 Pins). Die
letzte Konzentration wird nicht mehr aufgebracht und so endet das Spiel für
uns mit einem sehr niedrigen Ergebnis. Es bleibt bei 18 Punkten und zur
Überraschung der Spieler liegen wir damit zur Halbzeit auf einem
sensationellen 2. Platz!
Im ersten Bundesligajahr und nach insgesamt erst 12 Bundesligaspieltagen darf
man nicht mehr erwarten, als die Sicherung des Klassenerhalts. Ich lehne mich
nicht sehr weit aus dem Fenster wenn ich feststelle, dass uns der
Klassenerhalt kaum noch zu nehmen ist. Ich glaube das 74 Punkte dafür
ausreichen und das bedeutet für uns noch 3 x 6 Punkte zu erspielen – das
traue ich dem Team auf jeden Fall zu.
Die Bundesliga ist zur Halbzeit dreigeteilt. Die Spitzengruppe von Kassel
(60) bis Duisburg (54), das Mittelfeld von Stuttgart (46) bis Kraftwerk (38)
und die Abstiegszone von Gießen (31) bis Mannheim (27). Die Historie zeigt,
dass sich Teams durch überragende (>20 Punkte) oder misslungene (< 8
Punkte) Spieltage schell in einer anderen Tabellezone wiederfinden können,
davon ist kein Team befreit. Da wir aber jetzt in der Zone der
Medaillenanwärter stehen wollen wir uns diesem Ziel auch stellen. Die
favorisierten Teams lassen bisher immer wieder Federn, spätestens in den
Duellen untereinander. Da fühlen wir uns in der Rolle des Außenseiters
pudelwohl und werden versuchen im Kampf um das Edelmetall weiterhin
mitzumischen. Natürlich wollen wir nach dem letzten Spieltag auch als
bestplatzierte Mannschaft unseres Bundeslandes dastehen. Wir sind auf einem
guten Weg.
Thomas Radke
Coach
|