zum 2. Spieltag

zurück zur Tabelle

 

1. Bundesliga Saison 2008 / 09

3. Spieltag am 29./30. November 2008 in Hildesheim

Bericht (CCR Bowling)

Nach sechs angenehmen Wochen auf dem Platz an der Sonne (Tabellenführer der 1. Bundesliga) wird uns der 3. Spieltag in Hildesheim zeigen ob unser „Höhenflug“ von Nachhaltigkeit geprägt ist. In Karlsruhe und Wildau durften wir für uns Überraschungsmomente in Anspruch nehmen, da unser Team nach den ersten 11 Spieltagen in der 2. bzw. 1. Bundesliga noch nicht sehr bekannt und damit schwer auszurechnen ist. In der Tabelle trennen Platz 1 (Easy Bowling) und Platzt 6 (BSC Kraftwerk) lediglich sechs Punkte. Das ist in dieser Liga ein Wimpernschlag. Erst zum siebten Platz ist das Polster deutlicher (16 Punkte Abstand zum BC Gießen). Wir wollen den gewonnenen Boden mit maximalem Einsatz verteidigen.

Wir treten in Bestbesetzung an. Bis 2 Uhr morgens sind alle Spieler im Hotel eingetroffen. Pünktlich zum Practice sind wir um 9.00 Uhr auf der CCR Bowling. Wir können während der Trainingssession alle Wettkampf-Bahnen nach Belieben testen. Vor der offiziellen Einspielzeit rückt Carsten auf die Reservebank. Er wird an diesem Spieltag voraussichtlich nicht zum Einsatz kommen. Oliver Mielentz erhält das erste Mal die Chance alle Spiele zu bestreiten. Frank Drevenstedt, Teamkapitän Enrico Strauß und Norman Schau sind aufgrund ihrer Leistungen gesetzt. Beim Einspielen entscheide ich mich für unseren Linkshänder Frank Fiebich als fünften Mann im Startteam. Michael Kocziok rückt dadurch auf die Bank (obwohl er sich sehr gut präsentiert – eine starke Bank ist nicht das Schlechteste Omen für unser Team...).

Wie in Wildau beginnen wir gegen den BC Gießen. Ich überlege noch, Oliver an die zweite Position zu setzen. Doch er strahlt Selbstbewusstsein aus und will gerne die wichtige Position 1 im Team besetzten. Die Auftaktphase des Matches bestimmt Gießen. 10 Strikes und kein offenes Feld der Hessen – dadurch geraten wir 40 Pins in Rückstand (7 Strikes, offene 10 und S9-10). Enrico gibt als vierter Spieler im 3. Frame das Startsignal zum Angriff. Auf seinen geräumten Split3-6-7-10 folgen acht Strikes der Teamkollegen. Frank D. beendet diesen Beschleunigungsvorgang mit getrennter 3-6. Doch dieser Bremser ist von kurzer Dauer, es folgen weitere 9 Strikes und 3 Spares. Gießen lässt in dieser Phase 4 Felder offen und kann unserem Strike-Gewitter wenig entgegensetzen. Unsere beiden Splits im achten Frame fallen kaum ins Gewicht. In den Schluss-Frames bleiben wir fehlerfrei und schalten erneut den Turbo ein (15 Strikes), erreichen fast die 1200er Marke. Frank F. bestätigt meine Aufstellung mit einem 275er Spiel. Ein nahezu perfekter Auftakt stärkt unser Selbstvertrauen.

Spiel 2 geht gegen München, die im ersten Spiel 1159 geworfen haben. Nach vier Frames liegen wir um 2 leichte Sparefehler zurück (2-8, 7). München spielt fehlerfrei und beide Teams haben 4 Strikes aufgelegt. Obwohl Oliver bis zum 7. Frame alle Anwürfe perfekt verwandelt, München zieht mit 12:8 Strikes in dieser Phase auf und davon. Die Bayern sind noch immer fehlerfrei, bei uns bleiben drei weitere Felder offen (2-4-7-8, W1-3-4-6-7, 10). Zu diesem Zeitpunkt kehrt Ernüchterung bei uns ein, dass lähmt den Spielfluss. Frame 8 und 9 benötigen wir zur „mentalen Findung“ – München ist jetzt 150 Pins entlaufen...
Unter Führung von Oliver (279) spielen wir ein ordentliches Schlussframe (11 Strikes). München ist diesmal nicht zu schlagen.

Mit dem Schwung aus der Endphase des Münchner Spiels und höchster Motivation gegen den kommenden Gegner den Bock endlich umzustoßen (bisher 2 Niederlagen) gehen wir in das Match gegen Blau-Weiß Stuttgart. Irgendwie „knistert“ es in diesen Spielen immer besonders, Andreas Humm sorgt mit seiner Ausstrahlung für Pepper und Fun. Nach 2 Frames gelingt uns eine hauchdünne Führung. Ein Strike mehr (6:5) und 3 schwierige, für uns ungelöste Spares (S4-6-7-10, W1-2-4-10, W1-3-7-9) - Stuttgart lässt 2 Splitstellungen stehen. Im weiteren Spielverlauf wogt das Match hin und her. Wenige Strikes (Frame 3 bis 8 = 12:11), offene Felder (bei uns 1-2-4-7, 3-6-10, S4-6-7-10, 4-7, S2-10) aber auch gut gelöste Pinstellungen (W1-10, S3-9-10) – vor dem neunten Frame hat keine Mannschaft einen Vorsprung. Mit 4 Strikes können wir uns vor dem finalen Frame um eine Nasenspitze in Führung bringen. Doch auch Stuttgart legt 4 x Strike auf. Das Duell der Frontspieler verändert den Spielstand nicht. Wir führen mit 6 Pins. Frank F. wirft dann Split2-7 an. Markus Häuser spielt XX9. Sehr schön, dass Frank den Split räumt und den entstandenen Rückstand auf 16 Pins begrenzen kann. Unser dritter Mann Frank D. dreht den Spieß wieder um. Seinen Strikes im achten und neunten Frame lässt er jetzt zwei weitere Volltreffer folgen! Markus Bettinger spielt Spare-Strike. Jetzt führen wir mit 3 Pins, oh man ist das spannend. Enrico und Dirk Völkel spielen jeweils Strike-Spare. Die Entscheidung fällt mit dem letzten Spieler. Und an dieser Position verfügen wir über einen Mann mit besonderen Qualitäten. Was Norman in dieser Saison schon gezeigt hat macht ihn an dieser Position unersetzbar. Er liebt dieses Spiel auf des Messers Schneide. Für mich einer der besten Schluss-Spieler die ich mir vorstellen kann... Andreas Humm gelingt kein Strike. Norman macht es besser und die Körpersprache nach diesem Ko-Schlag ist unbeschreiblich. Auch mich überwältigt ein Gefühl unbändiger Freude. Bowling Live.

Gegner Nr. 4 ist Premnitz. Wir nehmen einen Wechsel vor. Micha kommt jetzt für Frank F., der sich selbst nicht sicher genug fühlt. Die ersten drei Frames sind total ausgeglichen (7:6 Strikes). Dann werfen wir ein perfektes Frame und gehen mit 20 Pins in Führung. Wir machen leider nichts daraus. Es folgt nur ein Strike und 2 offene Felder (S6-7-10, 7). Unser Spiel ist zu ungeduldig. Dadurch machen wir weitere Fehler. Frame 6 geht mit 4:0 Strikes an Premnitz (wir lassen dazu noch S3-4-10 und S3-4-6-7-10 offen). Der Rückstand beträgt 60 Pins. Wir können mit dem zweiten „Fünffachen“ (7. Frame) die Chance zur Kehrtwende eröffnen. Premnitz spielt in dieser Phase fehlerfrei. Wir brauchen ein tolles neuntes Frame – doch es gelingt nicht. 2 Felder bleiben offen (3-6-10, 2-4-5-8), der Rückstand wird größer. Wir müssen uns mit der zweiten Niederlage abfinden.

Den Tag schließen wir mit dem Match gegen den Deutschen Meister 1. BC Duisburg ab. 2 Spiele – 2 Siege, noch haben wir gegen die Rheinländer eine makellose Bilanz. Duisburg geht hochkonzentriert in die Partie. Drei fehlerlose Frames des Gegners und 7:8 Strikes sowie ungelösten 10, S3-10 Pinstellungen – Duisburg führt mit 50 Pins. Achim Grabowski und Co. gehen das Spiel weiter rechts als unsere Spieler an. Das funktioniert in der ersten Spielphase gut. Wir stehen deutlich tiefer und entscheiden uns für einen weiteren Schritt nach links. Mit Erfolg! Wir erspielen uns in den Folgeframes einen Strikevorteil (11:8) und übernehmen die Führung. Im 6. Frame kommt der Duisburger Konter (5 x Strike). Wir verfehlen in dieser Phase einen 7er – das tut weh. Das Spiel ist wieder ausgeglichen. Im Frame 7 bis 9 entscheiden die individuellen Fehler (7:7 Strikes). Wir machen in dieser Phase keinen! Vor dem letzten Frame des Tages haben wir uns eine 20 Pin Führung erarbeitet. Daran ändert sich nach den ersten beiden Spielern nichts. Frank D. kann den Turkey von Michael Krämer kontern und die Führung verteidigen. Michael Holzapfel wirft Split an und räumt. Doch Enrico sorgt für die Vorentscheidung. Er macht es Frank nach und schließt mit Turkey ab. Norman kann entspannt zu Ende spielen (XX9). Thomas Groß strikt erwartungsgemäß aus, kann damit für Duisburg aber keine Wende mehr bringen. Ein tolles Spiel mit einem psychologisch wichtigen Sieg. Wir können gelassen in die Sonntagsspiele gehen.

Wir entscheiden uns beim Abendmahl heute für „Chinesisch“, zum Leidwesen von Frank D., der diese kulinarische Vorliebe nicht teilt. Trotzdem haben wir riesigen Spaß! Ich verzichte auf eine tiefgreifende Analyse des Samstags. Wir müssen uns keinen Druck auflegen, können locker weiter spielen und über Leidenschaft und Kampfgeist das Erreichte festigen.

Am Sonntagmorgen präsentieren sich die Bahnen erfahrungsgemäß anders als am Samstagnachmittag. So auch in Hildesheim. Die Probewürfe täuschen über den Schwierigkeitsgrad etwas hinweg. Da es links sehr gut aussieht spielen wir wieder mit Frank F. Keinem Team gelingt es in den ersten Frames Strikeketten aufzubauen. Das Spiel entwickelt sich zäh. Nach vier Frames liegen wir leicht in Front (8:9 Strikes, 2:3 offene Felder). Mannheim erhöht ab Frame 5 den Druck, übernimmt die Führung und verteidigt sie bis zum 9. Frame. Oliver eröffnet mit Split3-10 und räumt! Für einen Easy etwas Besonderes ;-) Enrico bekommt die gleiche Chance, muss aber daran noch weiter üben. Mannheim lässt zwei Felder offen und wir spielen einen Strike mehr (2:1). Wieder gehen wir in eine Entscheidung mit Fotofinish. Nach Olivers Strike-Spare führt unser Team mit 2 Pins. Das Duell links (Tony Smith) gegen links (Frank F.) gewinnt unser Lefty. Franki sorgt mit XX7 für eine 20 Pin Führung. Frank D. verteidigt diesen Vorsprung. Enrico kann noch 3 Pins draufpacken. Das lässt sich Norman nicht mehr nehmen. Harald Punessen spielt XX9 und Norman gelingt dies auch.

Der Mitaufsteiger Tübingen startet im zweiten Sonntagsspiel perfekt (5 x Strike). Damit ist aber das Pulver verschossen, denn im zweiten Frame kommt kein Volltreffer mehr dazu. So können wir bis zur Hälfte des Matches trotz einiger Splits mit 70 Pins in Führung gehen. Im sechsten Frame eröffnen wir mit 3 offenen Feldern (1-2-5-9, S3-7, S7-10). Das nutzt Tübingen zur Verkürzung des Abstandes. In das finale Frame gehen wir dann aber mit 4:0 Strikes und 60 Pins Vorsprung. Oliver und Frank F. machen mit jeweils XXX alles klar...

Das Berliner Ortsderby gegen Kraftwerk findet diesmal als Spiel Nr. 8 statt. Die Kraftwerker waren am ersten Spieltag mit 7 Siegen gestartet und hatten uns dabei mit einem 1200er Spiel keine Siegchance gelassen. Am zweiten Spieltag in Wildau blieben die Neuköllner als einziges Team der Bundesliga unter einem Schnitt von 200 Pins und erzielten 4 Siege. Wir konnten uns für die Niederlage am ersten Spieltag revanchieren. In Hildesheim läuft es bisher nicht so gut für unseren Berliner Kontrahenten. Der Start des Spiels ist ausgeglichen. 7:7 Strikes und jeweils ein Fehler (bei uns S3-6-7-9). Dank makelloser Treffer von Sascha Hauchwitz und Thomas Gojowy geraten wir bis zum 5. Frame mit 30 Pins in Rückstand. Mit großem Kampfgeist gelingt uns vor dem siebten Frame der Ausgleich. Dann folgen Spare -> 4 x Strike –> Spare S3-10 –> 4 x Strike. Ein Feuerwerk an Selbstbewusstsein und Emotionen bringt uns 90 Pins in Führung. Kraftwerk scheint so gut wie geschlagen. Unser neuntes Frame beginnt Oliver mit Strike. Frank F. setzt einen Spare dazu. Doch dann werden die drei aufgelegten Doubles alle vernichtet (S4-9, S3-4-6-7-9-10, S6-10). Vor dem letzten Frame schrumpft der Vorsprung auf 30 Holz und 1:3 Strikes. Robert Vetter weist uns vorsorglich darauf hin, dass die Spiele erst mit dem letzten Wurf beendet und entschieden sind... Klar, wir sind ja neu in der 1. Bundesliga und können das nicht wissen ;-) Oliver macht aus unserem einzigen Strike ein Double, Philip Meinke spielt Spare-9. Wir bauen den Vorsprung leicht aus. Frank F. stellt sich S6-7 was Sascha Hauchwitz eiskalt mit Turkey zum Anschluss nutzt. Frank D. verbessert unsere Chancen mit XX8, es bleibt extrem spannend. Enrico spielt Strike-Spare. Sein direkter Gegenspieler ebenfalls, damit führen wir vor den letzten Spielern mit 11 Pins. Norman gelingt diesmal kein Abräumer mit dem ersten Wurf – das ist die Chance für Robert Vetter das Spiel zugunsten Kraftwerks zu entscheiden. Nein, der Strike misslingt. Wir bleiben in Führung und Norman sichert mit Strike den Sieg.

Durch das Nachlassen in der Endphase des 8. Matches haben wir die Chance verpasst uns in der temporären Bonuswertung in die Spitzengruppe zu schieben. Wir liegen auf Platz 6 mit sehr deutlichem Vorsprung gegenüber den Schlechterplatzierten. Da kann kaum noch etwas anbrennen. 18 Punkte sind praktisch gesichert, womit wir sehr zufrieden sind. Ein Sieg gegen Kassel wäre die Krönung einer überaus erfolgreichen Hinrunde in unserem ersten Jahr in der Königsklasse. Dieses Team haben wir bisher noch nicht bezwingen können. Und da war sie dann wieder am Anfang des Spiels: die Ungeduld. Nach vier Frames liegen wir 90 Pins zurück, da bei einem Strike-Verhältnis von 9:15, einer Reihe von Splits (S2-10, S4-9, S4-6-7-9-10, S3-6-7-10, S3-9-10) auch noch leichte Sparefehler dazu kommen (7, 10). Erst als das Spiel fast gelaufen ist kehrt die Ruhe und Gelassenheit zurück. Frame 5 bis 7 gibt noch einmal Anlass zur Hoffnung (9:7 Strikes, jeweils ein offenes Feld, Verkürzung des Rückstandes auf 60 Pins). Doch dann ist unser Pulver verschossen. Robert Wölki „schießt“ uns fast im Alleingang ab (266 Pins). Die letzte Konzentration wird nicht mehr aufgebracht und so endet das Spiel für uns mit einem sehr niedrigen Ergebnis. Es bleibt bei 18 Punkten und zur Überraschung der Spieler liegen wir damit zur Halbzeit auf einem sensationellen 2. Platz!

Im ersten Bundesligajahr und nach insgesamt erst 12 Bundesligaspieltagen darf man nicht mehr erwarten, als die Sicherung des Klassenerhalts. Ich lehne mich nicht sehr weit aus dem Fenster wenn ich feststelle, dass uns der Klassenerhalt kaum noch zu nehmen ist. Ich glaube das 74 Punkte dafür ausreichen und das bedeutet für uns noch 3 x 6 Punkte zu erspielen – das traue ich dem Team auf jeden Fall zu.

Die Bundesliga ist zur Halbzeit dreigeteilt. Die Spitzengruppe von Kassel (60) bis Duisburg (54), das Mittelfeld von Stuttgart (46) bis Kraftwerk (38) und die Abstiegszone von Gießen (31) bis Mannheim (27). Die Historie zeigt, dass sich Teams durch überragende (>20 Punkte) oder misslungene (< 8 Punkte) Spieltage schell in einer anderen Tabellezone wiederfinden können, davon ist kein Team befreit. Da wir aber jetzt in der Zone der Medaillenanwärter stehen wollen wir uns diesem Ziel auch stellen. Die favorisierten Teams lassen bisher immer wieder Federn, spätestens in den Duellen untereinander. Da fühlen wir uns in der Rolle des Außenseiters pudelwohl und werden versuchen im Kampf um das Edelmetall weiterhin mitzumischen. Natürlich wollen wir nach dem letzten Spieltag auch als bestplatzierte Mannschaft unseres Bundeslandes dastehen. Wir sind auf einem guten Weg.

Thomas Radke
Coach

 

zum 2. Spieltag

zurück zur Tabelle